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„Kann ich ihnen helfen?“, waren die Worte, die der Pförtner an meinem ersten Tag zu mir gesagt hat, nachdem ich ohnehin viel zu früh angekommen war. Ich muss ziemlich unbeholfen ausgesehen haben, denn nach diesem Tag habe ich den Pförtner sein Häuschen nicht noch einmal verlassen sehen.

Kurz darauf wurde ich in meiner neuen Arbeitsstelle mehr als freundlich empfangen und seit diesem Tag habe ich unglaublich viel erlebt.

Anders als ich erwartet habe, haben wir uns kaum damit beschäftigt, eigene Kindergartenprojekte zu entwickeln, wie es in der Stellenausschreibung zu lesen war. Möglich, dass es pandemiebedingt ist, aber traurig bin ich darüber nicht, denn die Aufgaben sind um einiges vielseitiger, als ich vorerst gedacht habe.

Hauptaufgabe war es in dem ersten halben Jahr viel mehr, bei Veranstaltungen zu helfen, die alle sehr unterschiedlich waren und für die wir durch scheinbar ganz Schleswig-Holstein gereist sind. Auch wenn ich in diesem Bundesland aufgewachsen bin, habe ich, soweit ich mich erinnern kann, nie so viel davon gesehen, wie in dieser Zeitspanne. Äußerst überrascht und gefallen hat mir, dass wir auch Veranstaltungen besuchen durften, bei denen keine Hilfe benötigt wurde, sondern, die uns schlicht interessiert haben.

Besonders in Erinnerung geblieben sind mir dabei der Segelturn vom KlimaSail, das Blumenseminar, das Schneckenseminar, das Norden Festival und nicht zu vergessen die Jugendklimakonferenz. Ganz schön viel! Insgesamt haben wir in diesem Halbjahr noch eine Menge Veranstaltungen mehr besucht, sie alle aufzuzählen würde allerdings zu viel Zeit in Anspruch nehmen.

Der Segelturn gehörte zu einer der ersten Veranstaltungen und fand am 16. August statt, von den Kolleg*innen aus dem Bildungszentrum war ich die einzige Teilnehmerin, was mich zuerst ein wenig eingeschüchtert hat. Im Endeffekt war es aber, trotz schlechten Wetters eine super Erfahrung, einen ganzen Tag zu segeln und neue Leute kennenzulernen. Ich hatte sogar die Chance, mich mit einem anderen FÖJler auszutauschen. Der Austausch mit anderen ist, wie ich finde, generell im restlichen halben Jahr nicht zu kurz gekommen.

Das Blumen- und das Schneckenseminar waren Veranstaltungen vom Bildungszentrum selber und fanden im späten Sommer statt. Sie sind mir in Erinnerung geblieben, weil es sehr ergreifend war, zu sehen, wie begeistert die Referent*innen von ihrer Arbeit waren und wie anregend sie daher erzählt haben. Außerdem haben beide an außergewöhnlichen Orten stattgefunden, nämlich im Haus der Natur in Cismar und im Café Mehlbeere, welches so schön ist, dass ich es jederzeit in meiner Freizeit wieder besuchen würde.

Ebenfalls im späten Sommer fand das Norden Festival in Schleswig statt, welches wir gemeinsam mit RENN Nord besucht haben. Es handelt sich hierbei um ein Kulturfestival, das sich über mehrere Tage zieht. Wir haben RENN Nord in diesem Zuge im roten Pavillon auf dem Gelände in Schleswig repräsentiert. Es gab sogar eine Kooperation mit zwei spannenden Künstlern, die viele Leute angezogen haben. Zusätzlich haben wir eine Rallye angeboten und Preise an einem Glücksrad ausgeteilt, an dem wir umweltbezogene Fragen gestellt haben. Neben unserem eigenen Stand gab es noch andere interessante Teilnehmer, Livemusik und leckeres Essen, der perfekte Ausklang für den Sommer, wie ich behaupten würde.

Herausragend war auch die Jugendklimakonferenz, die von der Nordkirche angeboten worden ist und die, ähnlich wie die Seminare, fünf Tage lang war. Über die Tage verteilt gab es ein spannendes Tagesprogramm mit umweltbezogenen Workshops und Experten, die in ihrer Gesamtheit darauf abzielten, unsere perfekte Utopie zu kreieren. Insgesamt waren die Teilnehmer zwischen 14 und 20 Jahren alt und viele von ihnen waren FÖJler, was die Woche besonders spannend gemacht hat, da man die Möglichkeit hatte, viele neue gleichgesinnte Gesichter kennenzulernen.

Natürlich können nicht jeden Tag Veranstaltungen stattfinden, dementsprechend fällt auch ab und zu Büroarbeit an. Ich denke, es hätte mich vielleicht ein bisschen gestört, wenn ich allein in dieser Einsatzstelle gewesen wäre, da wir aber insgesamt drei Freiwilligendienstlerinnen sind und ich mein Büro mit meinen Kolleginnen Sarah und Lina teile, haben wir auch im Büro immer eine Menge Spaß. Ich denke, dass das FÖJ durch die Arbeit zu dritt im allgemeinen viel angenehmer und spaßiger ist und bin froh darüber, nicht allein zu sein, denn so habe ich nach meinem Umzug in eine neue Stadt direkt Freunde dazu gewonnen. Dazu muss ich sagen, dass auch alle anderen Kolleg*innen im BNUR sich sehr gut um uns kümmern und immer für ein Gespräch offen sind, sodass ich mich stets als festes Teil des Teams fühle.

Als Lieblingsaufgabe im Büro haben wir die interaktive Ausstellung der Nachhaltigkeit für uns entdeckt. So bezeichnen wir das Regal, welches im Eingangsbereich des LLURs steht. Mir macht es so viel Spaß, weil wir in der Gestaltung komplett frei sind. Funktionieren tut es, wie folgt. Wir suchen uns ein geeignetes Thema, dass uns im Moment interessiert und recherchieren und basteln dazu, sodass wir unser Ergebnis im Endeffekt dort für alle Mitarbeiter ausstellen können. Bereits ausgestellt war ein herbstliches Thema, ein nachhaltiger Adventskalender für die Weihnachtszeit und momentan ein Regal zur Nachhaltigkeit im Allgemeinen mit kleinen winterlichen Aspekten.

Als wäre das beschriebene nicht schon vielseitig genug, kommt nun ein weiterer Aspekt meiner Arbeit, bei dem ich erst ziemlich skeptisch war, der mir allerdings im Nachhinein ebenfalls ziemlich gut gefällt. Es handelt sich um Workshops, die wir selber leiten. Etwas Derartiges hätte ich mir vor meinem Freiwilligen Jahr niemals zugetraut und umso erfrischender ist es zu wissen, dass es nun etwas geworden ist, dass ich bereits getan habe. Zuerst einmal haben wir jeder unseren eigenen Workshop sorgfältig ausgearbeitet, meiner handelte vom Thema Upcycling, um ihn dann auf einem FSJ-Seminar zu präsentieren. Aufregend war es allemal, aber es war auch extrem interessant ausnahmsweise Mal in die Rolle des Referenten schlüpfen zu können. Auch im weiteren Verlauf wird uns das möglich sein. Bis zum nächsten Sommer läuft nämlich eine Kooperation mit der Sparkasse anlässlich des Weltspartages, die sich „Blühstreifen macht Schule“ nennt. Hauptsächlich wird es darum gehen, mit den Grundschülern zusammen ein Beet zu bepflanzen und am Ende die schönste Ausarbeitung und Dokumentation hierzu zu bestimmen. In diesem Zuge werden wir gemeinsam mit den FÖJler*innen von Stiftung Naturschutz und dem Heimatbund Workshops mit den Grundschülern durchführen, zu denen wir vorerst noch geschult werden müssen.

Unterscheiden tut sich meine Stelle kaum von den anderen beiden vom BNUR angebotenen Stellen. Dies hat den Grund, dass meine Stelle sich, auch wenn sie vom Verein finanziert wird, im BNUR befindet und die meisten Aufgaben dementsprechend auch vom Bildungszentrum gestellt werden. Verzichten möchte ich auf die Zusammenarbeit mit dem Verein jedoch nicht, denn auch hier bekomme ich ab und an sehr anregende Aufgaben und auch die Mitglieder des Vereins haben mich sehr freundlich bei sich aufgenommen. Spannend ist hierbei vor allem bei den Vorstandssitzungen dabei zu sein, denn das ist etwas, wie vieles im FÖJ, wozu man normalerweise nicht die Chance hat, es mitzuerleben und ich bin sehr dankbar dafür. Außerdem helfe ich ab und an dabei, die Website in Schuss zu halten. Ich kann mir vorstellen, dass die Arbeit für den Verein im nächsten halben Jahr zunehmen wird, da der Landesschülerwettbewerb stattfinden wird, ein größeres Projekt des Vereins, an dem ich aktiv mitarbeiten darf. Ich freue mich schon sehr darauf.

Dass ich mit meiner Arbeitsstelle sehr zufrieden bin, sollte, wie ich hoffe, deutlich geworden sein, demgegenüber gibt es auch zu den Rahmenbedingungen des FÖJs kaum etwas auszusetzen. Das Bewerbungsverfahren fand ich übersichtlich und einfach und die Seminare finde ich eine schöne Abwechslung zum Arbeitsalltag. Auch wenn ich vorerst nicht unbedingt begeistert von dem Gedanken war, eine Woche lang mit so vielen fremden Menschen zu verbringen, hat sich am Ende herausgestellt, dass die Seminare zu den sehr besonderen Dingen des FÖJs zählen und auch sie mir besonders dazu verholfen haben, Gleichgesinnte kennenzulernen und neue Freunde zu finden. Inzwischen freue ich mich sehr auf die weiteren Seminare und die besonderen Ereignisse und Momente, die damit einhergehen und bereite das Nächste sogar mit vor.

Außerhalb der Arbeit hatte ich ein paar kleinere Schwierigkeiten mit der Wohnsituation, weil ich mich in meiner ausgewählten Wohnung leider sehr unwohl gefühlt habe. Als ich daraufhin gegen September entschieden habe, mir etwas Neues zu suchen, fiel diese Suche schwieriger aus, als gedacht. Es war kaum etwas frei und der Prozess hat sich über Monate gezogen, bis ich dann im Dezember endlich in eine Wohnung einziehen konnte, in der ich mich sehr wohlfühle. Nun bin ich mehr als erleichtert darüber mit einem besseren Gefühl diesbezüglich in das zweite Halbjahr starten zu können.

Alles in allem finde ich unglaublich, wie viel ich in diesem halben Jahr dazulernen und erfahren durfte und kann für mich sagen, dass ich das Gefühl habe, über mich hinausgewachsen zu sein. Für mich ist nun ein für alle Mal klar, dass das FÖJ die richtige Wahl gewesen ist und ich bin außerordentlich gespannt, was das nächste Halbjahr mit sich bringen wird. Vielleicht konnte man ja schon heraushören, dass einige aufregende große Projekte anstehen. Die Sorge, dass pandemiebedingt eine Menge ausfallen wird, bleibt natürlich bestehen, vor allem, weil wir momentan leider alle im Homeoffice arbeiten müssen. Auch die Veranstaltungen können nur noch Online stattfinden, was natürlich nicht das volle Gefühl vermitteln kann. Da die Pandemie mich aber auch im ersten halben Jahr nicht daran gehindert hat, das FÖJ in vollen Zügen zu genießen, schaue ich positiv in die Zukunft.

Eins steht jedenfalls fest - die Hilfe des Pförtners werde ich so schnell nicht mehr benötigen.

 

 

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