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Denke ich an das zweite Halbjahr meines FÖJs, fällt mir vor allem ein Stichwort ein: „Blühstreifenprojekt“.

Dieses Projekt hat wohl wirklich einen Großteil der Zeit und Nerven des Halbjahres eingenommen und ist nicht ganz gelaufen, wie geplant.

Es handelt sich hierbei, wie im Halbjahresbericht bereits angesprochen, um eine Kooperation mit der Sparkasse bezüglich des Umweltspartags, mit dem Inhalt, gemeinsam mit Grundschulen ein Hochbeet zu bepflanzen und den Kindern der dritten Klassen etwas zu Insekten und Pflanzen beizubringen.

Mitgearbeitet haben wir drei Freiwilligen vom BNUR, sowie zwei Freiwillige von Stiftung Naturschutz und eine Freiwillige des Heimatbunds.

Soweit klingt es erstmal nach einem schönen und sinnvollen Projekt, allerdings gab es einige Turbulenzen, die wohl für niemanden aus dem Team absehbar waren.

Angefangen damit, dass die Sparkassen die Zahl der Grundschulen erheblich erhöht haben, von zwölf auf 35 Stück, sodass jeder von uns sechs Grundschulen alleine betreuen musste. Dies war eine große Umstellung und mit viel mehr Arbeit verbunden, vor allem, weil niemand von uns Erfahrung mit einer solchen Tätigkeit hatte.

Dazu kommt, dass es erhebliche Lieferschwierigkeiten der Hochbeete gegeben hat und diese zusätzlich nur in der Filiale abgeholt werden konnten. Sodass wir sie nachmittags und am Wochenende selber transportieren mussten. Auch das hat sich bei einem Gewicht von 60 Kilogramm nicht unbedingt leicht gestaltet.

Die Absprache mit den Schulen gestaltete sich ebenfalls teils schwierig, weil nicht immer auf Emails geantwortet worden ist und die Schulen, hauptsächlich bedingt durch die Pandemie sehr unter Druck standen. Natürlich gab es auch nette und weniger nette Lehrer und als ich mich in einer Schule mit Corona ansteckte und dementsprechend alle weiteren Termine verschieben musste, brach das Chaos erst richtig aus.

Als wäre das nicht schon genug gewesen, mussten die Beete nun auch noch mit Erde befüllt werden und zwar insgesamt mit 1330 Litern. Dafür einen Lieferanten zu finden und die Auslieferung reibungslos stattfinden zu lassen, gestaltete sich mit am schwierigsten. Zu allem Überfluss sind uns auch noch einige Stauden vertrocknet oder gestohlen worden.

Ich denke, dass das Projekt so holprig gelaufen ist, weil es zum ersten Mal durchgeführt wurde und so einfach Dinge auf uns zugekommen sind, die nicht absehbar waren und von denen wir uns alle vorher keine Vorstellung machen konnten.

So kam es, dass Teils Dinge einfach zu kurzfristig in die Wege geleitet werden mussten. Nichts desto trotz war es unglaublich spannend eine Planung in diesem Ausmaß zu erleben und dabei mitwirken zu können, dass ich nicht darauf verzichten möchte. Diese Planungsarbeit hat mir außerdem, wie ich finde, wertvolle Kompetenzen für den weiteren Werdegang geliefert.

Und auch wenn es mehr Arbeit war als gedacht, hatte das Projekt natürlich nicht nur schlechte Seiten.

Denn die Workshops schließlich mit den Kindern durchführen zu können, in dem Wissen, dass man die Chance hat, ihnen etwas Wertvolles fürs Leben beizubringen und dann auch noch die Freude und Begeisterung der Kinder darüber zu sehen war einfach wundervoll.

Außerdem hat es natürlich geholfen, dass man nicht ganz alleine mit dem Projekt war, sondern fünf Mitstreiter hatte, die sich mit den gleichen Problemen rumgeschlagen haben.

Verglichen mit meinem Halbjahresbericht ist also mehr Arbeit auf mich zugekommen als ich mir hätte vorstellen können. Aber auch andere Aspekte entwickelten sich anders als erwartet.

So fand mein zu planendes Seminar beispielsweise online statt und ich habe noch bis Ende Februar im Homeoffice gearbeitet. Bis auf meine eigene Erkrankung habe ich entgegen meiner Erwartungen ansonsten nicht mehr mit der Pandemie zu kämpfen gehabt.

 

Der Landesschülerwettbewerb, auf den ich schon sehr gespannt war, konnte leider nicht stattfinden, wie geplant, weil es, anders als in den Vorjahren, lediglich eine Anmeldung gegeben hat. Ob ich jedoch überhaupt neben dem Blühstreifenprojekt die Zeit gehabt hätte, daran mitzuwirken, ist eine andere Frage.

Was ich ein bisschen schade fand ist, dass durch das Projekt unsere Arbeit an der Interaktiven Ausstellung zur Nachhaltigkeit sowie die Besuche verschiedener Veranstaltungen, die ich immer sehr gemocht habe, im zweiten Halbjahr ein bisschen zu kurz gekommen sind.

Nichtsdestotrotz gab es ein paar Veranstaltung, welche ich besucht habe und die mir in Erinnerung geblieben sind.

Diese gingen, anders als im ersten halben Jahr, sogar vermehrt vom Verein aus. Dabei denke ich an das „Zweite Kieler Samenfest“, die Diskussionsrunde mit Landtagsabgeordneten über Bildung für Nachhaltige Entwicklung, die Futtermittelkonferenz und die Mitgliederversammlung des Vereins bei Brunsbüttel Ports.

Worauf ich außerdem im Bericht gerne eingehen würde, sind die Seminare, denn diese waren für mich, vor allem im zweiten halben Jahr, aber auch im Generellen, besonders prägend. Mit einem Online-Seminar hatten sie in der zweiten Jahreshälfte jedoch nicht den besten Start, da dieses, so sehr wir uns auch bemüht haben, das Präsensseminar einfach nicht ersetzen konnte, wurden danach aber umso besonderer, denn es folgte das Segelseminar. Ich zähle dieses, obwohl es nicht in den typischen Seminargruppen stattgefunden hat und ich ohne meine Freunde dort gewesen bin, gemeinsam mit dem Sylt Seminar, zu den besten Seminaren.

Gesegelt bin ich mit der Lovis im April. Wir sind in Kappeln gestartet und haben uns Richtung Dänemark bewegt. Es war sehr spannend neue FÖJler kennenzulernen und ich habe mich sehr schnell mit einigen aus der Segeltruppe angefreundet.

Was das Seminar so einzigartig gemacht hat, war, dass man ein richtiger Teil der Crew gewesen ist. Man ist nicht schlicht als Passagier mitgefahren, sondern hatte seine festen Segelaufgaben und musste stets mit anpacken, vor allem beim Segelsetzen.

Ein weiteres Highlight der Segeltour war das Ankern. Nachts auf dem Wasser zu treiben, war ein wunderschöner Anblick und etwas, das man sonst einfach nicht erlebt.

Generell fand ich, dass man auf dem Wasser total die Zeit und den Alltagsstress vergessen konnte. Es gab kein besseres Gefühl, als am Nachmittag mit den anderen auf dem Schiff in der Sonne zu liegen und zu entspannen.

Auch die Lokation Sylt des nächsten Seminars war natürlich eine ganz besondere. Die Insel mit ihrer tollen Landschaft ist nun mal einfach ein sehenswerter Anblick. Vor allem war das Seminar jedoch so besonders, weil es zusammen mit allen Freiwilligendienstler*innen stattgefunden hat. Ich persönlich hatte vorher schon das Gefühl, durch Projekte, Veranstaltung oder auch Freunde bereits viele FÖJler*innen zu kennen. Umso überraschter war ich auf Sylt, als ich eben den Großteil doch noch nicht gekannt habe.

Auffallend gut fand ich außerdem, dass durch die hohe Anzahl der Teilnehmer mehrere Workshops und Exkursionen zur Auswahl standen, aus denen man wählen konnte. Das hatte, zumindest bei mir, einen positiven Einfluss auf meine Motivation.

Eine schöne Abwechslung war es aber auch, jeden Tag die Möglichkeit zu haben, in der Nordsee baden zu können. So hat es sich schon beinahe wie ein Urlaub angefühlt.

Persönlich habe ich mich ebenfalls darüber gefreut, dass dieses Seminar mit meiner Kollegin Sarah Hinken stattfinden konnte. Da sie ein ÖBFD absolviert, war sie in den restlichen Seminaren nämlich leider einer anderen Gruppe zugeordnet.

Ich denke, ohne die Seminare wäre das Jahr einfach nicht das gewesen, was es gewesen ist und ich hätte viele Freunde, die mir sehr ans Herz gewachsen sind, gar nicht kennengelernt.

 

Nachdem ich von meinen Erlebnissen erzählt habe, möchte ich nun aber erst einmal von meiner Auffassung zu den Rahmenbedingungen des Freiwilligendiensts und allem was dazugehört berichten.

Angefangen mit den Finanzen. Zwar bin ich immer gut zurechtgekommen mit dem verdienten Geld, das liegt aber vor allem daran, dass ich am Wochenende in einem Minijob beim Bäcker gearbeitet habe und allgemein stets auf die finanzielle Unterstützung meiner Eltern zählen konnte.

Für meine Warmmiete habe ich monatlich allein rund 500 Euro bezahlt und da der Weg zur Arbeit nicht der kürzeste war, kommt entweder eine Monatskarte von rund 66 Euro oder die Spritkosten noch oben drauf. Des Weiteren müssen ja zudem Lebensmittel und ähnliches gekauft und Freizeitaktivitäten finanziert werden. Das Gehalt, welches wir für das Freiwillige Jahr monatlich erhalten, ist also ziemlich knapp bemessen.

Ich möchte mich darüber jedoch nicht direkt beschweren, denn der Name der Tätigkeit sagt ja schon aus, dass es sich um eine freiwillige Tätigkeit handelt und ich hatte wie gesagt durch andere Finanzierungsmöglichkeiten keine wirklichen Probleme mit dem Gehalt, bin also auch nicht wirklich in der Position dazu.

Dennoch denke ich, dass durch eine höhere Vergütung das FÖJ auch für weniger privilegierte Menschen eine Möglichkeit darstellen könnte und finde Anträge wie „Freie Fahrt für Freiwillige“ durchaus sinnvoll.

Die Finanzierung verlief bei mir zwar glatt, dafür gestaltete sich die Wohnsituation allerdings, wie schon im vorherigen Bericht beschrieben, anfangs schwierig.

Das liegt daran, dass ich mich in Kiel nicht auskannte und daher vorerst in eine schlechte Gegend gezogen bin. Der Wohnungsmarkt in Kiel ist ohnehin total überlastet, weshalb sich die Suche nach einer neuen Wohnung eher schwierig gestaltet hat, da die Mieten auch ständig ansteigen. Das ich überhaupt etwas gefunden habe, war eher Glück und ich bin sehr dankbar, dass ich mir im zweiten halben Jahr keine Gedanken mehr über meine Wohnsituation machen musste. Mit meiner neuen Wohnung war ich zufrieden und ich habe mich dort wohlgefühlt, sie wäre aber, wie bereits erwähnt, nicht durch das Freiwilligengehalt zu finanzieren gewesen. Das man Wohngeld beantragen kann, ist in dieser Angelegenheit vielleicht schon mal ein Anfang.

Aber der Wohnungstrubel hat auch etwas Gutes mit sich gebracht, denn durch einen Zufall sind meine Mitfreiwillige Lina Puscher und ich dadurch Nachbarn geworden.

Das war sehr praktisch, da wir ohnehin schon gut befreundet waren und so fast jeden Tag etwas unternehmen konnten und dazu eine Fahrgemeinschaft zustande gekommen ist.

Natürlich habe ich auch andere Freunde kennengelernt, hauptsächlich durch die Seminargruppe, mit denen ich viel Zeit verbracht habe. Ich hoffe, dass diese Freundschaften auch nach dem Freiwilligendienst bestehen bleiben werden. Allerdings bin ich ja in Flensburg aufgewachsen und war durch mein Auto ziemlich flexibel, sodass ich ebenfalls den Kontakt zu meinen anderen Freunden, vor allem aus der Schulzeit gut pflegen konnte und auch die Möglichkeit hatte, meine Familie regelmäßig zu besuchen. Einsam war ich also in keinem Fall.

 

Zusätzlich hat auch die Einsatzstelle mich und die anderen beiden Freiwilligen mehr als herzlich aufgenommen. Dadurch, dass ich beim Verein angestellt bin, mein Büro aber im Gebäude des Bildungszentrums für Natur, Umwelt und ländliche Räume ist, hatte ich in diesem Rahmen sogar zwei persönliche Betreuer, die mir stets zugehört und sich gut gekümmert haben. Eigentlich muss man aber dazu sagen, dass auch alle anderen Teammitglieder stets gute Ansprechpartner gewesen sind und sich immer um unser Wohlergehen bemüht haben. Ich habe mich also sehr wohlgefühlt und weiß, dass ich auch nach meinem Freiwilligendienst stets willkommen bin. Dass das BNUR und auch der Verein von der Atmosphäre und dem Umgang miteinander wie eine kleine Familie sind, hat mir sehr gefallen.

Dementsprechend bin ich froh, mich für diese Einsatzstelle entschieden zu haben, weil sowohl die Aufgabenbereiche, als auch das Team einfach gepasst haben und ich sehr wohl weiß, dass andere Freiwillige damit weniger Glück hatten.

Meine Lebens- und Berufsziele haben sich zwar nicht wirklich verändert, da ich schon vor meinem ökologischen Jahr wusste, dass ich gerne ein Studium bei der Polizei absolvieren würde. Das ist aber gar nicht schlimm, denn ich wollte mein ökologisches Jahr eigentlich genau deshalb machen. Ich wusste das mich die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit sehr interessieren und wollte mich ein Jahr intensiv damit beschäftigen, da mir bewusst war, dass mein Studium wohl eher weniger damit zu tun haben wird.

Dafür war das Jahr ausgezeichnet geeignet, denn gerade durch die vielen Veranstaltungen, auf denen immer Experten verschiedener Bereiche der beiden Oberthemen Natur und Umwelt vertreten waren, konnte ich meinen Horizont erweitern.

Aber auch meine Arbeitskollegen und die persönliche Recherche haben mich fachlich weitergebildet, ganz wie ich es mir anfangs gewünscht habe.

Natürlich bin ich auch charakterlich gewachsen. So habe ich im Freiwilligen Jahr Dinge getan, die ich mir vorher nie zugetraut hätte, wie zum Beispiel einen Workshop alleine durchzuführen. Ich habe das Gefühl, dass ich dadurch viel selbstsicherer geworden bin.

Weil ich jetzt für ein Jahr ein vollwertiges Mitglied in der Arbeitswelt gewesen bin, habe ich außerdem das Gefühl, besser auf die spätere Berufswelt vorbereitet zu sein und das gibt mir eine Menge Sicherheit.

Dazu fühle ich mich mehr verstanden, denn vorher habe ich nicht besonders viele Menschen gekannt, die sich so für ihre Umwelt einsetzen und denen das Thema am Herzen liegt. Zu sehen, wie viele Gleichgesinnte es gibt und sich mit diesen Menschen austauschen zu können oder gar angeregt zu diskutieren, war eine tolle Erfahrung.

 

Ich würde niemals auf das Abenteuer FÖJ verzichten wollen und hatte eine wundervolle Zeit. Sofern man die Möglichkeit dazu hat, einen solchen Freiwilligendienst zu absolvieren, würde ich immer empfehlen, diese auch zu ergreifen.

Den Abschlussbericht mit den Bildern gibt es hier.

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